Replatforming: Der Plattformwechsel ist eine Geschäftsentscheidung, kein IT-Projekt.
Replatforming heißt, das Fundament des Onlinegeschäfts auszutauschen, während es weiterläuft. Daten, Prozesse, Integrationen und Rankings ziehen mit um. Wer den Wechsel als reine Technikfrage behandelt, entscheidet über Jahre, ohne es zu merken.
Ein Plattformwechsel ist selten, und genau deshalb fehlt in den meisten Organisationen die Routine dafür. Er bindet Budget, Menschen und Aufmerksamkeit über viele Monate. Gleichzeitig legt er fest, was das Geschäft danach kann: welche Länder, welche Kanäle, welche Geschwindigkeit bei Änderungen. Die eigentliche Entscheidung fällt deshalb nicht bei der Wahl des Shopsystems, sondern davor: Was soll die Plattform in fünf Jahren leisten? Wie du dafür Shopsysteme vergleichen kannst, zeigt der Kompass.
Abzugrenzen ist das Replatforming vom Relaunch. Ein Relaunch erneuert Auftritt, Erlebnis und Conversion auf der bestehenden Basis. Beim Replatforming wechselt die Basis selbst, mit allen Folgen für Datenmodell, Schnittstellen und Betrieb. Oft kommt beides zusammen. Dann lohnt es sich, die Reihenfolge bewusst zu wählen, statt zwei große Veränderungen gleichzeitig zu stemmen.
Trägt deine Plattform die nächsten fünf Jahre?
Sprich mit uns darüber →Wann ein Plattformwechsel nötig wird
Manchmal setzt der Hersteller den Takt. Shopware hat die Entwicklung von Shopware 5 nach einer Übergangszeit von vier Jahren Ende Juli 2024 eingestellt, seitdem gibt es keine regulären Sicherheitsupdates mehr.1 Shopware 6 ist eine Neuentwicklung. Ein Wechsel von Shopware 5 zu Shopware 6 ist deshalb kein Update, sondern ein Replatforming innerhalb derselben Marke: Erweiterungen, Templates und Anpassungen werden neu gebaut, die Daten zieht ein Migrationsassistent um.1
Häufiger kommt der Anlass aus dem Geschäft selbst. Die Plattform hat das bisherige Wachstum getragen, passt aber nicht mehr zu dem, was als Nächstes kommt.
Typische Anlässe für einen Plattformwechsel:
- Supportende oder Abkündigung durch den Hersteller
- neue Geschäftsmodelle wie B2B, Abo oder Marktplatzanbindung
- Internationalisierung mit mehreren Ländern, Sprachen und Währungen
- Integrationen zu ERP, PIM oder CRM, die nur noch mit großem Aufwand laufen
- Betriebs- und Lizenzkosten, die schneller wachsen als der Umsatz
- Änderungen im Shop, die Wochen statt Tage dauern
Kein einzelner Anlass erzwingt den Wechsel. Entscheidend ist der Vergleich: Was kostet es, die bestehende Plattform drei weitere Jahre zu betreiben und zu erweitern, und was kostet der Wechsel, einschließlich der Monate, in denen das Team gebunden ist? Erst diese Rechnung macht aus einem Gefühl eine Entscheidung.
Shop-Migration: Umsatz und Rankings sicher mitnehmen
Der heikelste Moment ist der Umzug selbst. Für die Suche gibt Google ein klares Vorgehen vor: alle alten URLs erfassen, jeder alten URL eine neue zuordnen, die Weiterleitungen als dauerhafte 301-Weiterleitungen einrichten und sie so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr, bestehen lassen. Bei mittelgroßen Websites dauert es nach Googles Angaben einige Wochen, bis der Großteil der Seiten im Index umgezogen ist, bei großen länger.2 Davon, viele alte URLs pauschal auf die Startseite umzuleiten, rät Google ausdrücklich ab.2
Mindestens so wichtig ist die Datenmigration. Produktdaten, Kundenkonten, Bestellhistorie, Bewertungen und Gutscheine müssen vollständig und sauber ankommen. Das gelingt selten im ersten Durchlauf. Bewährt haben sich mehrere Probeläufe mit echten Daten, ein klarer Stichtag für den letzten Abgleich und ein Go-live außerhalb der umsatzstärksten Wochen. Auch die Organisation braucht einen Plan: Während der heißen Phase ruhen größere Kampagnen und Sortimentsänderungen, Ansprechpartner für jeden Kernprozess sind benannt, und für die ersten Tage nach dem Go-live gibt es feste Abstimmungstermine. So bleibt der Umzug ein Projekt mit Ende und wird nicht zum Dauerzustand.
Was eine Migration absichert:
- ein vollständiges URL-Mapping mit Weiterleitungen für jede relevante Seite
- Probemigrationen mit echten Daten vor dem Stichtag
- Tests der Kernprozesse: Suche, Warenkorb, Checkout, Payment, Versand
- ein Go-live-Termin außerhalb der Saisonspitzen
- Monitoring von Umsatz, Conversion und Sichtbarkeit in den Wochen danach
Shopsystem wechseln in einem Schritt oder in Etappen
Welche Architektur zum Geschäftsmodell passt, ist eine eigene Entscheidung und auf der Themenseite Shopsystem oder Composable eingeordnet. Für den Wechsel selbst zählt etwas anderes: Die Architektur legt fest, wie der Umzug ablaufen kann. Von einem Monolithen auf einen anderen Monolithen oder auf eine SaaS-Lösung geht es meist in einem Schritt. Alles zieht an einem Stichtag um, mit einem klaren Vorher und Nachher.
Composable Commerce eröffnet einen zweiten Weg: den Wechsel in Etappen. Zuerst zieht etwa das Frontend um, dann die Suche, später Warenkorb und Checkout, während das alte System im Hintergrund weiterläuft. Das verteilt das Risiko und bringt früher sichtbare Ergebnisse. Dafür laufen zwei Welten eine Zeit lang parallel, Daten müssen zwischen ihnen abgeglichen werden, und das Team braucht Erfahrung in der Steuerung vieler Bausteine. Welcher Weg trägt, hängt weniger an der Technik als an der Frage, wie viel Parallelbetrieb die Organisation leisten kann.
Wo der Druck herkommt
Hersteller kündigen Versionen ab, Geschäftsmodelle wachsen über die Plattform hinaus, Integrationen und Betrieb werden teurer. Irgendwann kostet das Festhalten mehr als der Wechsel.
Warum Replatforming anders ist
Ein Plattformwechsel verändert nicht nur die Technik, sondern Prozesse, Rollen und Daten. Er wird selten gemacht und wirkt lange nach. Deshalb gehört er auf die Ebene der Geschäftsführung.
Wie advise einordnet
Wir klären, was die Plattform künftig leisten muss, vergleichen Weiterbetrieb und Wechsel und schärfen die Kriterien für die Auswahl. Die Umsetzung liegt beim Team und Dienstleister deiner Wahl, wir sorgen dafür, dass die Entscheidung trägt.
Der erste Schritt
Anforderungen der nächsten Jahre festhalten und den Weiterbetrieb ehrlich durchrechnen. Daraus ergibt sich, ob und wann ein Wechsel sinnvoll ist und ob er in einem Schritt oder in Etappen gelingt.
Wo stehst du bei diesem Thema?
Häufige Fragen zum Replatforming
Was ist Replatforming?
Replatforming bezeichnet den Wechsel eines Onlineshops auf eine neue technische Plattform, also ein anderes Shopsystem oder eine neue Generation desselben Systems. Daten, Integrationen, URLs und Prozesse ziehen mit um. Im Unterschied zum Relaunch, der vor allem Auftritt und Erlebnis erneuert, wechselt beim Replatforming die Basis selbst.
Wann sollte man das Shopsystem wechseln?
Wenn der Hersteller den Support beendet, wenn neue Geschäftsmodelle oder Länder auf der bestehenden Plattform nur mit großem Aufwand umsetzbar sind oder wenn Betrieb und Anpassungen mehr kosten, als sie bringen. Entscheidend ist der Vergleich zwischen Weiterbetrieb und Wechsel über mehrere Jahre.
Wie bleiben Rankings bei einer Shop-Migration erhalten?
Mit einem vollständigen URL-Mapping und dauerhaften 301-Weiterleitungen von jeder alten auf die passende neue Seite. Google empfiehlt, die Weiterleitungen so lange wie möglich, in der Regel mindestens ein Jahr, bestehen zu lassen. Sichtbarkeit und Traffic sollten in den Wochen nach dem Go-live eng beobachtet werden.
Ist der Wechsel von Shopware 5 zu Shopware 6 ein Update?
Nein. Shopware 6 ist eine Neuentwicklung. Erweiterungen und Templates aus Shopware 5 laufen dort nicht und werden ersetzt oder neu gebaut, die Daten überträgt ein Migrationsassistent. Seit Ende Juli 2024 gibt es für Shopware 5 keine regulären Sicherheitsupdates mehr.
Alles zum Thema Replatforming: So hängen die Seiten zusammen.
Wo stehst du?
Kompass
Steht bei dir ein Plattformwechsel an?
Bevor die Ausschreibung startet, lohnt der Blick auf das, was die Plattform künftig leisten muss. Schreib uns kurz, worum es geht, wir melden uns persönlich.
Danke.
Deine Nachricht ist angekommen. Wir melden uns persönlich bei dir.
- 1Shopware AG: Shopware 5 End of Life, Dokumentation Quelle ansehen ↗
- 2Google Search Central: Websiteumzug mit URL-Änderungen Quelle ansehen ↗