Hersteller mit Händlernetz: Selbst online verkaufen und den Handel mitnehmen.

Immer mehr Hersteller verkaufen selbst an Endkunden, über den eigenen Shop oder einen Markenshop auf Amazon. Gleichzeitig bleibt der Fachhandel wichtig für Auswahlhilfe, Service und Präsenz in der Fläche. Die Frage ist, wie beides zusammenpasst.

Der Direktvertrieb von Herstellern ist im Alltag der Kunden angekommen. In einer Befragung von Simon-Kucher unter 1.003 Kunden in Deutschland liefen 2025 bei Haushalts- und Unterhaltungselektronik 17 Prozent der Käufe über eigene Kanäle der Hersteller, also Shop, App oder Store. Mit den Markenshops auf Amazon waren es 56 Prozent.1 Für viele Hersteller ist der eigene Shop damit kein Nebenkanal mehr, sondern ein Teil des Vertriebs, der neben dem Handel bestehen muss.

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Warum der eigene Shop den Handel nicht ersetzen muss

Fachhandel und Händler mit Filiale und Onlineshop leisten, was ein Herstellershop selten leisten kann: Auswahlhilfe vor Ort, Montage, Service und Präsenz in vielen Regionen. Wer direkt verkauft, wirbt um dieselben Kunden wie diese Partner. Das ist erlaubt und üblich, verlangt aber klare Regeln. Fehlen sie, sinkt der Einsatz des Handels für die Marke, und der Hersteller gewinnt online, was er in der Fläche abgibt.

Was Hersteller mit Händlernetz klären sollten:

  • welche Kunden und Produkte der eigene Shop bedient und welche der Handel
  • welche Händler online und auf welchen Marktplätzen verkaufen dürfen
  • welche Konditionen je Kanal gelten und woran sie geknüpft sind
  • wie Service, Garantie und Rückgabe über alle Kanäle laufen
  • wie der Handel vom Direktgeschäft profitiert, etwa über Abholung oder Montage vor Ort

Selektiver Vertrieb und Marktplatzfreigaben

Viele Marken steuern ihren Vertrieb über ein selektives System: Nur Händler, die festgelegte Anforderungen an Fachwissen, Präsentation oder Service erfüllen, dürfen die Ware führen. Die europäischen Regeln für Vertriebsverträge, die Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung, lassen dabei einiges zu. Ein Hersteller kann den Verkauf über Online-Marktplätze in der Regel untersagen und für online und stationär verkaufte Ware unterschiedliche Einkaufspreise verlangen, solange der Unterschied in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten der Kanäle steht.2

Passen dein Shop und dein Händlernetz zusammen?Das zeigt sich im Gespräch, nicht von außen. Wir nehmen uns Zeit, mit Agenda und den richtigen Leuten am Tisch, vor Ort oder per Video.Termin vereinbaren →

Klare Grenzen gibt es ebenfalls: Ein Verbot, überhaupt online zu verkaufen, ist nicht zulässig, und feste oder Mindestverkaufspreise dürfen Händlern nicht vorgegeben werden. Wie sich das Preisniveau trotzdem halten lässt, zeigt die Kanalstrategie. Die rechtliche Gestaltung im Einzelfall sollten Fachleute für Kartellrecht prüfen.

Konditionen, die Leistung belohnen

Statt über Preise steuern Hersteller über Konditionen und Sortiment. Händler, die erklären, ausstellen oder Service leisten, erhalten dafür eine Vergütung. Exklusive Modelle oder Bundles für den Fachhandel schaffen Produkte, die sich nicht direkt mit dem Onlinepreis vergleichen lassen; wie das aussieht, beschreibt die Herausforderung Sortiment je Kanal. So bekommt jeder Kanal eine eigene Aufgabe, und der eigene Shop wird Teil des Vertriebs statt Konkurrenz für den Handel.

Wo es hakt

Der eigene Shop und der Handel werben um dieselben Kunden. Ohne klare Regeln sinken Einsatz und Vertrauen im Händlernetz.

Was erlaubt ist

Selektiver Vertrieb, Freigaben für Marktplätze und Konditionen je Kanal sind möglich. Feste Verkaufspreise für Händler sind es nicht.

Wie advise einordnet

Wir ordnen Kanäle, Konditionen und Sortiment gemeinsam ein und klären, welche Rolle Shop, Handel und Marktplatz in deinem Vertrieb spielen.

Der erste Schritt

Ein Überblick, wer heute wo zu welchen Bedingungen verkauft. Daraus folgen die Regeln für Shop, Handel und Marktplatz.

Wo stehst du bei diesem Thema?

Häufige Fragen zu Herstellern mit Händlernetz

Dürfen Hersteller selbst online verkaufen, wenn sie Händler beliefern?

Ja. Hersteller dürfen neben ihren Händlern selbst an Endkunden verkaufen, etwa über einen eigenen Shop oder einen Markenshop auf einem Marktplatz. Damit das Händlernetz mitzieht, braucht es klare Regeln für Sortiment, Konditionen und Service je Kanal.

Was ist selektiver Vertrieb?

Ein Vertriebssystem, in dem nur Händler die Ware führen dürfen, die festgelegte Anforderungen erfüllen, etwa an Fachwissen, Präsentation oder Service. Hersteller nutzen es vor allem für erklärungsbedürftige und hochwertige Produkte. Die Ausgestaltung sollten Fachleute für Kartellrecht prüfen.

Darf ein Hersteller Händlern den Verkauf auf Amazon untersagen?

Nach den europäischen Regeln für Vertriebsverträge ist ein Verbot, über Online-Marktplätze zu verkaufen, in der Regel zulässig, ein Verbot des Onlineverkaufs insgesamt dagegen nicht. Ob das im eigenen Fall greift, hängt unter anderem von Marktanteilen und Vertrag ab und sollte von Fachleuten für Kartellrecht geprüft werden.

Sind unterschiedliche Einkaufspreise für online und stationär erlaubt?

Seit Juni 2022 grundsätzlich ja, solange der Unterschied in einem angemessenen Verhältnis zu den unterschiedlichen Kosten der Kanäle steht und den Onlineverkauf nicht verhindern soll. Die Gestaltung im Einzelfall sollten Fachleute für Kartellrecht prüfen.

Wie passen dein Shop und dein Handel zusammen?

Wenn eigener Shop, Fachhandel und Marktplatz um dieselben Kunden werben, lohnt der strukturierte Blick. Schreib uns kurz, worum es geht — wir melden uns persönlich.

* Pflichtfeld

  • 1Simon-Kucher: D2C-Studie zu Home Electronics, Pressemitteilung vom 23.09.2025 (1.003 Kunden in Deutschland, August bis September 2025): 17 % der Käufe in eigenen Kanälen der Hersteller, mit Markenshops auf Amazon 56 %. Quelle ansehen ↗
  • 2Verordnung (EU) 2022/720 der Kommission vom 10. Mai 2022 (Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung), in Kraft seit 01.06.2022, gilt bis 31.05.2034; dazu die Vertikal-Leitlinien der Kommission. Quelle ansehen ↗