Preis- und Kanalstrategie: Jeder Kanal braucht eine Rolle, jeder Preis einen Grund.

Eigener Shop, Marktplätze, Fachhandel, Filialen: Die meisten Unternehmen verkaufen heute über viele Wege. Eine Preisstrategie und eine Kanalstrategie legen fest, welcher Kanal welche Aufgabe hat und wie Preise über alle Wege zusammenpassen. Ohne sie entscheidet der günstigste Anbieter, wo Kunden kaufen.

Der Onlinehandel verteilt sich längst nicht mehr nur auf eigene Shops. Laut HDE-Online-Monitor 2026 liefen 2025 rund 56,7 Prozent der Onlineumsätze in Deutschland über Marktplätze.1 Für Marken und Händler heißt das: Ein großer Teil der Kunden kauft dort, wo sie mehrere Anbieter vergleichen können. Gleichzeitig bleiben der eigene Shop, der Fachhandel und oft auch die Fläche wichtig, für Auswahlhilfe, Markenerlebnis und Kundenbeziehung.

Mehrkanalvertrieb ist damit der Normalfall. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Unternehmen auf mehreren Wegen verkauft, sondern ob diese Wege zusammenarbeiten oder sich gegenseitig Umsatz und Marge abnehmen. Genau dort setzt die strategische Ebene an, oberhalb der täglichen Preissteuerung.

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Kanalstrategie: welcher Kanal welche Rolle spielt

Jeder Kanal leistet etwas anderes. Marktplätze bringen Reichweite und Neukunden, aber wenig Kontrolle über Darstellung und Kundendaten. Der eigene Shop bietet Kontrolle, Daten und Marge, muss sich seine Besucher aber selbst holen. Der Fachhandel liefert persönliche Auswahlhilfe und Präsenz in der Fläche, erwartet dafür aber eine faire Chance gegenüber dem Onlinepreis. Eine Kanalstrategie legt fest, welche Rolle jeder Weg spielt und woran sein Erfolg gemessen wird.

Was eine Kanalstrategie klären muss:

  • welche Zielgruppe und welcher Bedarf über welchen Kanal bedient werden
  • welches Sortiment in welchem Kanal angeboten wird
  • wie der Kanal zur Marke und zum Kundenerlebnis beiträgt
  • welche Kennzahlen je Kanal gelten: Umsatz, Deckungsbeitrag, Neukunden, Daten
  • wer die Verantwortung für welchen Kanal trägt

Häufig hilft eine klare Arbeitsteilung im Sortiment. Neuheiten und Kernprodukte im eigenen Shop, Ersatzteile und Zubehör auf Marktplätzen, erklärungsbedürftige Produkte im Fachhandel, Bundles oder Exklusivmodelle für einzelne Partner. So entsteht weniger direkter Preisvergleich, und jeder Kanal hat ein eigenes Argument. Wie das im Einzelnen aussieht, zeigt die Herausforderung Sortiment je Kanal.

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Eine Kanalstrategie ist dabei nie endgültig. Neue Marktplätze entstehen, Kunden verlagern ihre Suche zunehmend auf KI-Assistenten, Partner wachsen oder ziehen sich zurück. Sinnvoll ist eine regelmäßige Überprüfung, etwa einmal im Jahr: Welche Kanäle liefern Wachstum, welche nur Umsatz ohne Marge, und welche neuen Wege lohnen einen Test? So bleibt der Mehrkanalvertrieb steuerbar, statt mit jedem neuen Kanal unübersichtlicher zu werden.

Preisstrategie und Preispolitik im Onlinehandel

Die Preisstrategie legt fest, wo ein Unternehmen im Markt stehen will: im Premiumsegment, in der Mitte oder als günstige Alternative. Die Preispolitik im Onlinehandel übersetzt das in Regeln: Listenpreise, Rabattlogik, Aktionen, Konditionen für Handelspartner und Grenzen, unter die der eigene Preis nicht fallen soll. Diese Regeln geben der täglichen Preissteuerung ihren Rahmen.

Für Hersteller gilt dabei eine wichtige Grenze: Händlern dürfen in aller Regel keine verbindlichen Fest- oder Mindestpreise vorgegeben werden. Zulässig sind unverbindliche Preisempfehlungen, solange kein Druck ausgeübt wird, sie einzuhalten. Wer Einfluss auf das Preisniveau im Markt nehmen will, muss das über andere Wege tun, etwa über Sortiment, Konditionen, Services oder die Auswahl der Partner. Die rechtliche Gestaltung sollten Fachleute für Kartellrecht prüfen. Welche Spielräume der selektive Vertrieb Herstellern mit Händlernetz lässt, beschreiben wir gesondert.

Bausteine einer Preispolitik:

  • Positionierung im Markt und Abstand zu Wettbewerbern
  • Listenpreis und unverbindliche Preisempfehlung
  • Rabatt- und Aktionslogik je Kanal
  • Konditionen und Leistungsanforderungen für Handelspartner
  • Untergrenzen für eigene Preise und Regeln für automatische Anpassungen

Kanalkonflikte lösen, ohne Kanäle zu verlieren

Ein Kanalkonflikt entsteht, wenn ein Weg dem anderen Kunden oder Marge abnimmt. Typische Fälle: Der Fachhandel erklärt das Produkt, gekauft wird online beim günstigsten Anbieter. Händler unterbieten sich auf Marktplätzen und ziehen das Preisniveau nach unten. Der eigene Shop wirbt mit Rabatten, die Partner nicht mitgehen können. Solche Konflikte lösen sich selten von allein, sie verschärfen sich mit jeder Aktion.

Lösungen beginnen mit Transparenz: Wer verkauft wo zu welchem Preis, und wie entwickeln sich Umsatz und Marge je Kanal? Daraus folgen klare Regeln für Sortiment, Aktionen und Partnerschaften, eine Vergütung, die die Leistung des Handels vor Ort wertschätzt, und eine Kommunikation, die Partnern zeigt, welche Rolle sie in der Strategie spielen. Ziel ist nicht, Kanäle gegeneinander auszuspielen, sondern ein System, in dem jeder Weg seinen Beitrag leistet.

Wo der Druck herkommt

Marktplätze vereinen einen großen Teil des Onlineumsatzes, Preise sind überall vergleichbar. Ohne klare Rollen nehmen sich Kanäle gegenseitig Umsatz und Marge ab.

Warum es eine Strategiefrage ist

Welcher Kanal welche Rolle spielt und wie Preise zusammenpassen, entscheidet über Marge, Markenbild und Partnerschaften. Das lässt sich nicht in der täglichen Preissteuerung lösen.

Wie advise einordnet

Wir machen sichtbar, wie Umsatz, Marge und Preise sich je Kanal verteilen, und entwickeln mit dir Rollen, Sortimentslogik und Preisregeln, die zusammenpassen.

Der erste Schritt

Einen Überblick schaffen: Wer verkauft deine Produkte wo zu welchem Preis? Oft zeigt schon das, wo die größten Spannungen liegen.

Wo stehst du bei diesem Thema?

Häufige Fragen zu Preis- und Kanalstrategie

Was ist eine Kanalstrategie?

Eine Kanalstrategie legt fest, über welche Vertriebswege ein Unternehmen verkauft, welche Rolle jeder Kanal spielt, welches Sortiment wo angeboten wird und woran der Erfolg je Kanal gemessen wird. Sie verbindet eigenen Shop, Marktplätze, Handelspartner und Fläche zu einem System.

Was ist der Unterschied zwischen Preisstrategie und Dynamic Pricing?

Die Preisstrategie legt fest, wo ein Unternehmen im Markt stehen will und nach welchen Regeln Preise gebildet werden. Dynamic Pricing ist die operative Steuerung innerhalb dieses Rahmens, also die laufende Anpassung von Preisen an Nachfrage, Wettbewerb und Bestand.

Was ist ein Kanalkonflikt?

Ein Kanalkonflikt entsteht, wenn sich Vertriebswege gegenseitig Kunden oder Marge abnehmen, etwa wenn der Fachhandel das Produkt erklärt, der Kauf aber online beim günstigsten Anbieter stattfindet, oder wenn Händler sich auf Marktplätzen unterbieten.

Dürfen Hersteller Händlern Preise vorschreiben?

In aller Regel nicht. Verbindliche Fest- oder Mindestpreise sind kartellrechtlich unzulässig. Erlaubt sind unverbindliche Preisempfehlungen, solange kein Druck zur Einhaltung ausgeübt wird. Die Gestaltung im Einzelfall sollten Fachleute für Kartellrecht prüfen.

Wie viele Kanäle sind sinnvoll?

So viele, wie das Unternehmen mit klarer Rolle, passender Marge und guter Betreuung bedienen kann. Ein zusätzlicher Kanal bringt Reichweite, aber auch Aufwand und mögliche Konflikte. Entscheidend ist, dass jeder Kanal einen eigenen Beitrag leistet.

Wie oft sollte man die Kanalstrategie überprüfen?

Mindestens einmal im Jahr und zusätzlich, wenn sich der Markt deutlich verändert, etwa durch neue Marktplätze, veränderte Gebühren oder einen wichtigen Partner, der wächst oder ausfällt. Grundlage sind Umsatz, Deckungsbeitrag und Neukunden je Kanal.

Arbeiten deine Kanäle zusammen?

Wenn Preise und Kanäle sich gegenseitig unter Druck setzen, lohnt der gemeinsame Blick auf Rollen und Regeln. Schreib uns kurz, worum es geht, wir melden uns persönlich.

* Pflichtfeld

  • 1Handelsverband Deutschland (HDE): HDE-Online-Monitor 2026, Pressemitteilung Juni 2026 Quelle ansehen ↗