Bonusprogramme: Ein Bonusprogramm ist ein Geschäftsmodell im Kleinen.
Ein Bonusprogramm verspricht Kunden einen Vorteil und dem Unternehmen mehr Umsatz. Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich an der Mechanik: was es für Punkte gibt, was sie wert sind, wer sie einlöst und was das Programm wirklich zusätzlich bewegt.
Viele Bonusprogramme laufen seit Jahren, ohne dass jemand genau sagen kann, was sie bringen. Die Mitgliederzahl wächst, die Punkte werden eingelöst, die Kosten stehen im Budget. Ob die Mitglieder ohne Programm weniger gekauft hätten, weiß niemand. So wird aus einem Werkzeug zur Bindung ein Rabatt, den vor allem die Kunden erhalten, die ohnehin wiedergekommen wären.
Typische Anzeichen:
- Die Mitgliederzahl ist die wichtigste Kennzahl des Programms
- Der Wert der Prämien ist nicht sauber gegen den zusätzlichen Umsatz gerechnet
- Fast alle Vorteile sind Rabatte, die jeder Wettbewerber kopieren kann
- Stufen gibt es, aber kaum jemand erreicht oder hält die oberen
- Daten aus dem Programm fließen nicht in Kommunikation und Sortiment
Ein Bonusprogramm, oft auch Loyalty-Programm genannt, ist mehr als eine Kundenkarte. Es legt fest, für welches Verhalten Kunden belohnt werden, wie viel diese Belohnung kostet und welche Daten im Gegenzug entstehen. Damit ist es ein eigenes kleines Geschäftsmodell mit Einnahmen, Kosten und einer Bilanz. Ob ein Programm für das eigene Geschäft der richtige Weg ist, ist eine Frage der Haltung zur Kundenbindung. Um diese Haltung geht es im Kompass Loyalty. Wie man es baut, wenn die Entscheidung gefallen ist, ist eine Frage des Handwerks.
Bindet dein Programm die Kunden?
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Sprich mit uns darüber →Treueprogramm-Mechanik: Punkte, Stufen, Prämien
Die Mechanik besteht aus drei Teilen. Erstens die Sammelregel: Wofür gibt es Punkte, und wie viele? Nur für Käufe oder auch für Bewertungen, Empfehlungen und Profilangaben? Zweitens die Einlöseregel: Was ist ein Punkt wert, ab wann lässt er sich einlösen, wann verfällt er? Drittens die Prämien: Rabatte, Sachprämien, Services oder exklusive Zugänge. Jede dieser Regeln hat eine Wirkung auf das Verhalten und auf die Kosten.
Stufenmodelle mit VIP-Stufen ergänzen die Punkte um Status. Wer eine höhere Stufe erreicht, erhält dauerhafte Vorteile wie kostenlosen Versand, früheren Zugang zu neuen Produkten oder einen eigenen Ansprechpartner. Stufen wirken, wenn sie erreichbar sind und wenn ihr Verlust spürbar wäre. Eine Stufe, die fast niemand schafft, motiviert nicht. Eine, die fast jeder hat, unterscheidet nicht.
Eine weitere Variante sind kostenpflichtige Programme, bei denen Kunden für ihre Mitgliedschaft bezahlen. Der Beitrag selbst sorgt dafür, dass Mitglieder den Vorteil aktiv nutzen wollen. Er funktioniert aber nur, wenn der Gegenwert klar über dem Preis liegt.
Was in der Mechanik festgelegt werden muss:
- Sammelregel: Punkte je Euro und für welche weiteren Handlungen
- Einlöseregel: Wert je Punkt, Mindestmenge, Verfall
- Prämienkatalog: Rabatte, Sachprämien, Services, Zugänge
- Stufenlogik: Schwellen, Zeiträume, Vorteile je Stufe
- Teilnahme: kostenlos, kostenpflichtig oder beides
Was ein Kundenbindungsprogramm kostet
Der größte Kostenblock ist der Wert der Prämien. Er ergibt sich aus dem Punktewert, der Sammelrate und dem Anteil der Punkte, die tatsächlich eingelöst werden. Dazu kommen Technik, Betrieb, Kundenservice und die Kommunikation des Programms. Viele Unternehmen rechnen nur mit dem eingelösten Wert und unterschätzen so die laufenden Kosten.
Auch die Bilanz rechnet mit. Nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS 15 gilt ein Treuepunkt, der dem Kunden ein wesentliches Recht auf künftige Vorteile gibt, als eigene Leistungsverpflichtung. Ein Teil des Umsatzes wird dann bis zur Einlösung abgegrenzt.1 Für Unternehmen, die nach HGB bilanzieren, stellen sich ähnliche Fragen bei den Rückstellungen. Die konkrete Behandlung solltest du mit Fachleuten aus Steuer und Bilanzierung klären.
Der unsichtbarste Posten sind Mitnahmeeffekte. Jede Prämie für einen Kauf, der ohnehin stattgefunden hätte, ist ein Rabatt ohne Gegenleistung. Programme, die vor allem die besten Bestandskunden belohnen, können deshalb viel kosten und wenig bewegen. Die Frage ist nicht, wie viel die Mitglieder kaufen, sondern wie viel sie mehr kaufen als ohne Programm.
Prämienprogramm messen: Wirkung statt Mitgliederzahl
Die Wirkung eines Prämienprogramms zeigt sich nur im Vergleich. Am belastbarsten ist eine Kontrollgruppe: Ein Teil der Kunden erhält eine Aktion oder einen Vorteil nicht, und der Unterschied im Kaufverhalten zeigt den zusätzlichen Umsatz. Wo das nicht möglich ist, helfen Vorher-nachher-Vergleiche derselben Kunden oder vergleichbarer Kohorten. Die reine Mitgliederzahl sagt dagegen nur, wie viele sich angemeldet haben. Aussagekräftiger ist zum Beispiel die Wiederkaufrate der Mitglieder im Vergleich zu anderen Kunden.
Kennzahlen, die ein Bonusprogramm steuern:
- aktive Mitglieder statt angemeldeter Mitglieder
- Einlösequote und Wert der offenen Punkte
- Wiederkaufrate und Kundenwert von Mitgliedern gegenüber vergleichbaren Nichtmitgliedern
- zusätzlicher Umsatz und Deckungsbeitrag nach Prämienkosten
- Verteilung der Mitglieder auf die Stufen
Mindestens so wertvoll wie die Prämie ist, was das Programm über Kunden verrät. Kaufhistorie, Vorlieben und Rhythmus erlauben Kommunikation, die passt, und ein Sortiment, das sich an Stammkunden orientiert. Voraussetzung ist eine saubere Einwilligung für die Nutzung der Daten. Wie sie zu gestalten ist, solltest du mit Fachleuten aus dem Datenschutz klären. Ein Programm, dessen Daten in keiner Entscheidung auftauchen, verschenkt seinen halben Wert.
Wo es hakt
Viele Programme werden an der Mitgliederzahl gemessen, nicht an ihrer Wirkung. Prämien belohnen dann vor allem Käufe, die ohnehin stattgefunden hätten.
Was ein Programm trägt
Eine Mechanik, die Verhalten gezielt belohnt, Stufen, die erreichbar sind, Vorteile jenseits des Rabatts und eine Messung, die den zusätzlichen Umsatz zeigt.
Wie advise einordnet
Wir rechnen das Programm durch: Prämienkosten, Mitnahmeeffekte, zusätzlicher Umsatz. Daraus entsteht eine Mechanik, die zur Marge passt, und eine Messung, die Entscheidungen trägt.
Der erste Schritt
Mitglieder und vergleichbare Nichtmitglieder gegenüberstellen und die Prämienkosten ehrlich rechnen. Oft zeigt sich schon dabei, welche Teile des Programms wirken und welche nicht.
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Häufige Fragen zu Bonusprogrammen
Was ist ein Bonusprogramm?
Ein Bonusprogramm, auch Treueprogramm oder Kundenbindungsprogramm genannt, belohnt Kunden für Käufe oder andere Handlungen mit Punkten, Prämien oder Vorteilen. Ziel ist, dass Kunden häufiger und mehr kaufen. Für das Unternehmen entstehen dabei Kosten und Daten, die gezielt genutzt werden können.
Wie baue ich ein Bonusprogramm auf?
Zuerst wird festgelegt, welches Verhalten belohnt werden soll und was das kosten darf. Daraus ergeben sich Sammelregel, Einlöseregel, Prämien und gegebenenfalls Stufen. Vor dem Start sollte feststehen, wie die Wirkung gemessen wird, idealerweise mit einer Kontrollgruppe.
Was kostet ein Treueprogramm?
Den größten Teil machen die Prämien aus, abhängig von Punktewert, Sammelrate und Einlösequote. Dazu kommen Technik, Betrieb, Service und Kommunikation. Je nach Rechnungslegung müssen Punkte zudem in der Bilanz berücksichtigt werden, nach IFRS 15 etwa als eigene Leistungsverpflichtung.
Lohnen sich VIP-Stufen?
Ja, wenn die Stufen erreichbar sind und ihr Verlust spürbar wäre. Dauerhafte Vorteile wie kostenloser Versand oder früher Zugang zu neuen Produkten wirken oft stärker als zusätzliche Punkte. Entscheidend ist, dass sich die Kunden auf den Stufen sinnvoll verteilen.
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- 1IFRS Foundation: IFRS 15 Revenue from Contracts with Customers, Anhang B, Kundenoptionen auf zusätzliche Güter oder Dienstleistungen (B39–B43) Quelle ansehen ↗